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Andreas Sachsenmaier

In seinen in letzter Zeit entstandenen Werken konzentriert sich der Konzeptkünstler Andreas Sachsenmaier medial auf Papierarbeiten. Er verwendet Fotografien, die er durch punktförmige Perforationen entfremdet. Dem Betrachter erscheint das ursprüngliche Objekt durch sein Negativ, auf diese Weise werden verschiedene kontextuelle Herangehensweisen möglich: Entschwindet ein Gegenstand scheinbar vor den Augen des Betrachters, so wird er diesen nicht nur in seiner visuellen Perzeption zu halten suchen, sondern ihn auch in seiner übertragenen, inhaltlichen Präsenz und Bedeutung erneut vergegenwärtigen – wie den sich auflösenden „Neubaublock“ aus der Serie Places.
In der Serie Leadership analysiert der Künstler akribisch die Mechanismen der Macht. Lösen sich durch Perforation die individuellen Züge einzelner Diktatoren auf, bleiben Gesten und Insignien der Macht erhalten. In der parallel zum historischen Verblassen des einzelnen Staatsoberhauptes wirkenden Auflösung individueller Züge werden die subtilen, psychologischen Komponenten der Macht sichtbar, das verführerische Potential, ihr Charisma oder auch ihr Horror offenbar.
Analog zur Serie Leadership untersucht der Künstler in der Serie Cover die suggestiven Mechanismen der Werbung und nimmt damit ein Thema wieder auf, mit dem er sich bereits in den Videoinstallation Garten der Lüste (heute Staatliches Museum Schwerin) und L’Ultima Cena aus dem Jahre 2004 beschäftigte. Mittels Klanginstallation animierte er Protagonisten aus Werbesequenzen, die in einem Loop interagieren. Die Personata des Abendmahls von Leonardo da Vinci ersetzte er durch weibliche Stereotype aus der Werbung. Auf diese Weise hinterfragt er nicht nur suggerierte Idealbilder der Werbung, sondern auch das über 2000 Jahre transportierte patriarchalisches Bild der christlichen Religion. Das auratische Element von Religionen wird ebenso in Sachsenmaiers Werk Untitled (four Plates) thematisiert. Er verwendet hier weiße, neutrale Porzellanteller, deren ausgeschnittene Zentren die Silhouetten von Religionstiftern zeigen. Der eigentliche Teller als metaphorischer Träger der Konsumierung von Religion wird so zum auratischen Heiligenschein.
Die konsequente Analyse von Verführungsmechanismen, in direkter oder subtiler Weise, kann als konzeptuelle Klammer in Andreas Sachsenmaiers Werk verstanden werden.

Andreas Sachsenmaier Website www.a-sachse.de